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Warum ich WireCard nicht gerkauft habe

Vorwort:

Ich habe Wirecard aus 3 Gründen nicht gekauft. Dazu später mehr. Viele Anleger Fragen sich, warum gerade ich, warum musste ausgerechnet ich so viel Geld mit Wirecard verlieren. Warum gerade ich und nicht die anderen. Wie konnte das nur passieren und hätte ich es vermeiden können?

Ja. Du hättest es vermeiden können und unabhängig davon, ob das Unternehmen Bilanzbetrug zu verantworten hat oder nicht. Dazu aber etwas später mehr.

Wirecard hatte seinen Tiefpunkt bei knapp 0,54 Cent und ist an seinem hoch bis auf 199 Euro gestiegen. Viele Anleger haben mit Wirecard unglaublich viel Geld verdient. Einige davon haben einen Großteil ihrer Gewinne wieder verloren oder sind pari ausgegangen. Doch einige und das bestimmt nicht wenige, haben einen ernsten Verlust erlitten, der sie nun auch in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat.

Regel Nr. 2:

„Investiere nie mehr Geld, als das Du bereit bist zu verlieren.“

Warum sage ich das? Wenn Du Beispielsweise nur 5000 Euro zur Verfügung hast und Du bist maximal bereit 1000 Euro zu verlieren, das bedeutet, dass Deine Schmerzgrenze bei 1000 Euro liegt und somit darfst Du nicht mehr als 1000 Euro investieren. Dabei ist es Egal ob Du nur eine Aktie kaufst oder ob Du mit den 1000 Euro 3 Aktien kaufst.

Prinzipiell ist es so, dass Du mit einer Aktie immer dem Risiko eines Totalverlustes ausgesetzt bist. Das heißt 100%. Dem Gegenüber ist aber die Möglichkeit eines hohen Gewinnes, der höher sein muss, als die 100%. Theoretisch kannst Du 100% verlieren, aber 1000% gewinnen. Dementsprechend ist es das Risiko auf alle Fälle Wert. Die Frage ist, welche Aktie ist das Risiko wert? Genau hier scheiden sich die Geister.

Warum so viele Geld an der Börse verlieren, ist ein Mangel an Wissen. Sie verstehen nicht wie Die Börse funktioniert. Sie verstehen nicht wie Angebot und Nachfrage funktioniert und sie wissen eigentlich nicht wirklich, warum Aktien steigen oder Fallen und vor allem wissen sie nicht, dass sie nicht die einzigen sind, die das Spiel der Börse spielen. Sondern dass es da draußen unglaublich viele unterschiedliche Teilnehmer gibt, die den Markt beeinflussen. Aus welchen Gründen auch immer. Der Fall Wirecard und die Shortseller ist dabei ein gutes Beispiel.

Im heutigen Thema geht es nicht darum diese Fragen zu klären, sondern um ein paar Regeln aufzustellen, damit Du nie wieder einen größeren Verlust erleidest, wie Beispielsweise sehr viele mit Wirecard erlitten haben. Kleiner Verluste sind immer Mal möglich und passieren auch mir. Dennoch halt sie sich in Grenzen und schaden meinem Portfolio in kleinster Weise.

Regel Nr. 1: Don`t lose money

Fangen wir sofort an. Als Beispiel dient Wirecard!

Regel Nr. 1: Verliere kein Geld.

Warren Buffett

Damit Du kein Geld verlierst bzw. sich Deine Verluste in Grenzen halten, solltest Du diese Regel beherzigen. Wie kannst Du aber diese Regel umsetzen?

Wenn Du auch zu den Anlegern gehörst, die in Wirecard investiert gewesen sind oder es womöglich noch bist, dann solltest Du jetzt ganz besonders aufpassen.

1. Punkt: Eigenkapitalquote:

Auf das erste was ich bei einem Unternehmen schaue, ist die Eigenkapitalquote bzw. der Eigenkapitalanteil eines Unternehmens. Je höher dieser Anteil zum Gesamtvermögen ist, desto höher ist der Insolvenzschutz eines Unternehmens. Was bedeutet nun das konkret?

Meine Regel lautet: Kaufe kein Unternehmen bzw. Aktie, die eine Eigenkapitalquote von unter 50% hat.

Im Normalfall kaufe ich eine Aktie nur dann, wenn sie mindestens 60% Eigenkapital besitzt. Am liebsten sind mir aber Unternehmen, die einen Eigenkapitalanteil von mindestens 70% und mehr vorweisen können. Damit ich in einem Unternehmen trotzdem investiere, das knapp über 50% Eigenkapital besitzt, müssten alle anderen Werte außergewöhnlich gut sein. Sonst wird die Aktie in den Papierkorb verworfen und lange Zeit nicht mehr beachtet. Dieser Regel solltest Du eisern beachten und niemals brechen. (siehe auch Eigenkapitalwachstum)

a) Zocker Aktie:

Wenn Du jedoch in einer Zocker Aktie investierst, die diesen Ansprüchen niemals gerecht werden kann, dann solltest Du aber nur 5% Deines hart ersparten Geldes in so einem Unternehmen investieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es Pleite geht, ist um ein Vielfaches höher, dementsprechend hoch ist aber auch der mögliche Gewinn. Siehe Wirecard.

Bei Wirecard liegt der Eigenkapitalanteil bei lediglich 22%. Somit war für mich die Frage, ob ich in Wirecard investiere, niemals ein Thema. Einer meiner langjährigen Kollegen hatte mir die Wirecard Aktie in den letzten 2 Jahren immer wieder versucht schmackhaft zu machen und erzählte mir auch immer wieder wie viel er Gewinn gemacht hatte mit dem Kauf und Verkauf von Wirecard. Einige Male bin ich vor dem Computer gesessen und analysierte Wirecard von neuem. Jedoch bin ich immer wieder zum selben Ergebnis gekommen. Wirecard ist keine Aktie in der ich investiert sein möchte. Heute bereut er, dass er nicht auf mich gehört hatte.

Vor kurzem hat sich auch ein selbständiger Immobilienmakler gemeldet, der mir gestand, dass er Geld mit Wirecard verloren hatte. Was soll ich Dir sagen. Es tut mir persönlich leid, für alle, die Geld durch Wirecard verloren haben, dennoch sollte diese Erfahrung dazu dienen, es das nächste Mal besser zu machen und genau diese Fehler, die ich hier beschreibe zu vermeiden.

Wirecard hat einen Gesamtvermögenswert von 5 Milliarden Euro und einen Eigenkapitalanteil von 1 Milliarde Euro. Das entspricht 1/5 des Gesamtvermögens. Das Bedeutet, dass 4/5 des Gesamtvermögens fremdfinanziert sind. Somit war Wirecard für mich bereits Geschichte. Wenn Du Dich dennoch mit Wirecard nicht abfinden kannst, dann schauen wir zum nächsten Punkt.

2. Punkt: Langfrigstige Verschuldung:

Die langfriste Verschuldung sollte nicht höher sein, als das 3-Fache vom Nettogewinn bzw. vom Gewinn nach Steuern. Schauen wir uns den Fall Wirecard an:

Langfristige Verschuldung: (Wirecard)

In Millionen:

Jahr201820172016
Net Income347,400259,719266,749
Long Term Deb1,348,700754,792579,475
Verhältniszahl3,882,912,17
siehe Wirecard

Formel: Langfristige Verschuldung / Nettogewinn =

1,348,700 / 347,400 = 3,88

Im Jahr 2016 war das Unternehmen noch Gesund aufgestellt. Doch bereits 2017 kam es in einen gefährlichen Bereich. Spätestens 2019 hat das Unternehmen die magische Zahl 3 durchbrochen und ist ab diesem Moment für mich nicht mehr interessant.

a) Verschuldungs- Ratio:

Meine Regel lautet: Das Unternehmen muss seine langfristen Schulden mit dem Nettogewinn innerhalb 3 Jahre begleichen können.

Nehmen wir an, dass Unternehmen Wirecard hätte meinen Ansprüchen von 70% Eigenkapital entsprochen. Dennoch braucht das Unternehmen knapp 4 Jahre, um mit dem Nettogewinn seine langfristen Schulden zu begleichen, dann wäre die Aktie trotzdem für mich nicht mehr interessant.

Kein Unternehmen ist im Stande seinen gesamten Nettogewinn für die Rückzahlung zu opfern. Denn es braucht einen großen Teil um das operative Geschäft aufrecht zu erhalten, Neuinvestitionen zu tätigen, Zahlungen zu begleichen, Dividenden zu zahlen, Rückstellungen zu bilden und auch gesetzliche Rücklagen sind damit verbunden.

Daurch wir sich die langfristige Verschuldung auf mindestens 8 bis 10 Jahre erhöhen. Damit kommt das Unternehmen in einem gefährlichen Bereich und sollte daher vermieden werden.

Bedenke, dass die meisten Unternehmen insolvent werden, wenn eine Krise kommt. Wäre diese Krise nicht gekommen, so hätte das Spiel Wirecard womöglich noch länger gedauert und der Fall von Wirecard hätte sich womöglich um Jahre verschoben. Wenn das Blut durch die Straßen fließt, dann sieht man den wahren Wert eines Unternehmens.

Je höher der Eigenkapitalanteil ist und je geringer das Verhältnis zwischen Nettogewinn und langfristiger Verschuldung ist, desto leichter kommt das Unternehmen durch jede Krise und wird einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben. Es kommt gestärkt aus jeder Krise und kann dadurch sogar Marktanteile gewinnen. Während andere Marktanteile abgeben müssen. Es fehlt ihnen an den nötigen finanziellen Mittel.

Du musst verstehen, dass der Eigenkapitalanteil und das Verhältnis zwischen Gewinn und langfristiger Verschuldung dazu dient, dich vor dem Totalverlust zu schützen. Wenn Du einen Vergleich haben möchtest zwischen einen guten Unternehmen und Wirecard, dann sieh dir doch die Visa Aktie an.

3. Liquidität:

Bedenke: Liquidität kommt immer vor Rentabilität!

Die Liquidität mindert Dein Risiko, bei gleichbleibender Rentabilität.

Der dritte Punkt ist die Liquidität eines Unternehmns. Dazu schaue ich mir das Cashflow Blatt von Wirecard an. Auf den ersten Blick schauen die Zahlen verdammt gut aus. Dennoch werde ich skeptisch, wenn ich sehe, dass das Unternehmen 2,7010,500 Mio. Cash am Ende der Periode 2018 besitzt und die langfristige Verschuldung nur die Hälfte, also 1,348,700 Mio. ausmacht.

Der Free Cash Flow fast das doppelte des Nettogewinns ausmacht und die langfristige Verschuldung kein bisschen abnimmt. Nein sie nimmt sogar um fast das doppelte zu. Das ist meiner Meinung nach nicht im Sinne der Aktionäre und auch nicht im Sinne des Unternehmens. Das kann einfach nicht sein. Dass kein Cent zurückbezahlt werden konnte.

Genau hier solltest Du vorsichtig werden. Es hätte sich zumindest der Eigenkapitalanteil um 30% erhöhen- und insgesamt auf 50% steigen müssen. Wie kann das sein, dass das Unternehmen immer mehr Cash Flow generiert, sich aber die Schulden kein bisschen verringern. Nein sie nehmen um das doppelte zu.

a) CEO – Markus Braun:

Wenn Du allerdings den CEO Markus Braun anschaust, so hätte er schon längst Fehler bei Wirecard einräumen müssen. Was er aber nicht getan hat. Lieber jemand anderem die Schulde geben, als selbst dafür gerade zu stehen. Die schlechten Nachrichten um Wirecard. Die gesamten Anschuldigungen. All das spricht nicht gerade von Vertrauen. Daher ist das ein persönlicher Kritikpunkt dafür, dass irgendetwas nicht stimmt.

Wenn die Aktien eines Unternehmens ständig steigen und fallen durch ständig neue Vorwürfe, Ankündigungen und Dementierungen, mit denen die Schuld auf andere geschoben wird, dann kommt irgendwann der Punkt, wo die Kacke dampft und dann ist es zu spät. Viele haben auf die Signale nicht gehört. Gegeben hat es viele. Mich interessiert nur wie gesund ein Unternehmen ist.

Würdest Du einer kranken Person Dein Geld anvertrauen in der Hoffnung, dass sie es Dir in 10 Jahren mit Gewinn zurückzahlt.

Würdest Du einer sehr kranken Person 50.000€ € geben in der Hoffnung, dass sie dir 20% Gewinn in einem Jahr erwirtschaftet und dir 60.000€ zurückzahlt. Eher wohl nicht.

Bleib bei deiner Recherche immer Rational und lasse Dich nicht von den Gewinnen, die sie erwirtschaftet haben, blenden. Auch nicht von den zu erwartenden Gewinnen. Denke immer daran Liquidität kommt vor Rentabilität. Dann wirst Du immer auf der sicheren Seite sein.

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